Kennenlerntage mit erlebnispädagogischem Ansatz: So entsteht Klassengemeinschaft
- Angelika Schett

- 16. Apr.
- 2 Min. Lesezeit
Kennenlerntage werden oft einfach als Einstieg ins Schuljahr gesehen. Für mich sind sie aber viel mehr. Sie sind die Phase, in der ich die Grundlage dafür legen kann, wie eine Klasse später funktioniert.
Es geht nicht darum, dass man ein paar Spiele macht. Es geht darum, wie sich eine Gruppe entwickelt, wie Vertrauen entsteht und wie Schüler beginnen, miteinander zu arbeiten.
Der richtige Zeitpunkt ist wichtig
Für mich ist der Zeitpunkt ein entscheidender Faktor.
Kennenlerntage machen vor allem dann Sinn, wenn sie nicht zu spät stattfinden. Ideal ist ein Termin am Anfang des Schuljahres, grundsätzlich sind sie aber bis in den Herbst hinein sehr gut einsetzbar. Spätestens bis November können sie noch viel bewirken.
In dieser Phase ist in einer Klasse noch vieles in Bewegung. Gruppen festigen sich, Rollen entstehen und genau hier kann man bewusst Einfluss auf die Entwicklung der Klassengemeinschaft nehmen.
Je früher Kennenlerntage stattfinden, desto leichter lassen sich positive Prozesse in Gang setzen. Aber auch in den Wochen danach können sie sehr wertvoll sein, wenn es darum geht, Dynamiken aufzugreifen, Gemeinschaft zu stärken und die Klasse gut auszurichten.
Das Programm muss zur Klasse passen
Ich erlebe immer wieder, dass Programme gut geplant sind, aber vor Ort nicht zur Klasse passen.
Jede Gruppe ist anders. Manche Klassen sind sofort aktiv, andere brauchen Zeit. Manche bringen schon Spannungen mit, andere sind einfach noch unsicher.
Genau deshalb arbeite ich nicht mit einem starren Ablauf. Wenn ich merke, dass etwas nicht passt, ändere ich es. Für mich zählt nicht der Plan, sondern das, was die Gruppe gerade braucht.
Gemeinschaft entsteht nicht von selbst
Gemeinschaft entsteht nicht dadurch, dass man einfach gemeinsam wegfährt.
Sie entsteht dort, wo Schüler miteinander arbeiten, sich erleben und gemeinsam Aufgaben lösen. Genau dort setze ich an.
In diesen Situationen wird sichtbar, wie jemand reagiert, wer Verantwortung übernimmt, wer sich zurückzieht und wo Unterstützung gebraucht wird. Das sind die Momente, in denen echte Entwicklung passiert.
Flexibel reagieren ist entscheidend
In der Praxis kommt es immer wieder vor, dass ein geplantes Programm nicht zur Gruppe passt.
Dann ist es für mich entscheidend, sofort zu reagieren. Wenn ich an einem Ablauf festhalte, nur weil er geplant war, verliere ich die Wirkung.
Kennenlerntage funktionieren dann gut, wenn ich auf die Gruppe eingehe und bereit bin, Dinge anzupassen.
Schlechtwetter darf kein Problem sein
Ein Punkt, der oft unterschätzt wird, ist das Wetter.
Für mich gibt es deshalb nie nur einen Plan. Wenn draußen etwas nicht möglich ist, brauche ich sofort eine Alternative, die genauso sinnvoll ist.
Nicht als Notlösung, sondern als gleichwertiger Teil des Programms.
Auch für Lehrer eine wichtige Phase
Kennenlerntage sind nicht nur für die Schüler wichtig. Auch Lehrer erleben die Klasse in dieser Zeit anders.
Im Schulalltag sieht man oft nur bestimmte Seiten. In diesen Tagen wird viel deutlicher, wie die Schüler wirklich sind und wie die Gruppe funktioniert.
Lehrer übernehmen dabei ganz bewusst auch die Rolle der Beobachter. Gerade am Anfang, wenn viele Schüler noch nicht gut eingeschätzt werden können, ist das extrem wertvoll.
Worauf es wirklich ankommt
Für mich funktionieren Kennenlerntage dann gut, wenn sie zum richtigen Zeitpunkt stattfinden, zur Klasse passen und flexibel umgesetzt werden.
Es geht nicht darum, möglichst viel zu machen, sondern das Richtige zur richtigen Zeit.
Dann entstehen nicht nur gemeinsame Erlebnisse, sondern eine Grundlage, auf der man im Schulalltag wirklich aufbauen kann.




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