Transfer von Erlebnispädagogischen Übungen in den Alltag
- Angelika Schett

- 8. März 2021
- 2 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. Apr.

In der Fachwelt wird immer wieder diskutiert, ob erlebnispädagogische Übungen tatsächlich einen nachhaltigen Transfer in den Alltag ermöglichen. Meine klare Erfahrung ist: Ja – der Transfer funktioniert .Allerdings nicht automatisch, sondern unter bestimmten Voraussetzungen.
Ein Beispiel aus der Praxis
Ein Jugendlicher fällt in der Gruppe regelmäßig auf, stört den Ablauf und versucht, durch Verhalten Aufmerksamkeit zu bekommen.
In erlebnispädagogischen Übungen verändert sich dieses Verhalten oft überraschend schnell.
Spätestens bei der zweiten oder dritten Übung beginnt die Gruppe selbst zu reagieren. Die anderen Teilnehmer fordern den Jugendlichen auf, mitzuarbeiten. Der Grund ist einfach: Die Gruppe möchte das gemeinsame Ziel erreichen.
Was passiert hier?
Die Dynamik verschiebt sich:
von Einzelverhalten → zur Gruppenverantwortung
von Störung → zu Zusammenarbeit
von Aufmerksamkeit → zu gemeinsamer Zielorientierung
Im Laufe der Übungen entsteht so häufig ein Prozess, in dem die Gruppe beginnt, sich selbst zu regulieren.
Warum das funktioniert
Erlebnispädagogik schafft Situationen, in denen Verhalten unmittelbar spürbar wird.
Handlungen haben direkte Konsequenzen
Verhalten wird für alle sichtbar
Zusammenarbeit wird notwendig, nicht theoretisch erklärt
Das unterscheidet diese Form des Lernens von vielen klassischen Settings.
Die Erfahrung entsteht nicht über Worte, sondern über eigenes Erleben.
Die Rolle der Leitung
Ein entscheidender Faktor ist die Haltung der anleitenden Person.
Weniger ist hier oft mehr.
nicht sofort eingreifen
nicht vorschnell erklären
nicht belehrend auftreten
Stattdessen:
Raum geben
beobachten
Prozesse zulassen
Kinder und Jugendliche müssen die Möglichkeit haben, Dinge selbst zu erleben, zu scheitern und neu anzusetzen. Genau in diesem Prozess entsteht Lernen.
Auch der Umgangston spielt eine Rolle. Wer sich auf die Sprache und Lebenswelt der Jugendlichen einlässt, schafft schneller Zugang und Vertrauen.
Reflexion als Schlüssel zum Transfer
Erlebnisse allein reichen nicht aus.
Erst durch eine gezielte, altersgerechte Reflexion entsteht der eigentliche Transfer.
Dabei geht es nicht darum, fertige Antworten vorzugeben, sondern darum, Fragen zu stellen:
Was ist passiert?
Wie habt ihr euch dabei gefühlt?
Was hat gut funktioniert?
Was würdet ihr beim nächsten Mal anders machen?
Viele Kinder und Jugendliche tun sich schwer, ihre Erfahrungen in Worte zu fassen. Genau hier liegt eine wichtige Aufgabe: Sie dabei zu unterstützen, Wahrnehmungen, Gefühle und Gruppenerlebnisse sprachlich auszudrücken.
Denn erst wenn Erlebnisse benannt werden können, werden sie auch bewusst.
Fazit
Der Transfer erlebnispädagogischer Übungen in den Alltag ist möglich – und in der Praxis gut beobachtbar.
Entscheidend sind:
echte Erfahrung statt theoretischer Erklärung
Raum für eigene Prozesse
eine zurückhaltende, klare Leitung
und eine bewusste, altersgerechte Reflexion
Dann wird aus einer Übung mehr als ein einmaliges Erlebnis:
Sie wird zu einer Erfahrung, die im Alltag weiterwirkt.



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