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„Die Jugend von heute … und was wir von der Generation Z lernen können“

8. Sept.
5 Min. Lesezeit

„Die Jungen wollen heute nicht mehr arbeiten.“„Sie haben kein Durchhaltevermögen.“„Sobald etwas schwierig wird, geben sie auf.“

Solche Sätze hört man oft über die Generation Z. Und wenn ich ehrlich bin: Manches davon beobachte ich selbst.

In unserer Arbeit mit jungen Menschen fällt mir auf, dass die Frustrationsgrenze oft sehr niedrig ist. Wenn etwas nicht gleich funktioniert oder schwierig wird, wird schnell aufgegeben. Auch Verbindlichkeit ist für mich ein Thema.

Aber bevor wir Älteren jetzt zufrieden feststellen, dass früher alles besser war, lohnt sich vielleicht ein zweiter Blick. Denn so einfach ist es nicht.

Wir konnten uns noch langweilen

Ich bin 1967 geboren.

Ich komme noch aus einer Zeit, in der es – wenn überhaupt ein Fernseher im Haus war – zwei Programme gab. Und vielleicht erinnert sich der eine oder andere sogar noch an den Viertelanschluss beim Telefon. :-)

Wir hatten keine sozialen Medien, keine Smartphones und keine permanente Reizüberflutung.

Wenn uns langweilig war, mussten wir uns etwas einfallen lassen.

Wir gingen raus, trafen uns mit anderen Kindern aus dem Dorf, spielten Räuber und Gendarm, waren im Wald, kletterten auf Bäume, stiegen in den Bach, machten Sport und natürlich auch jede Menge Blödsinn.

Wir waren wahrscheinlich ein Stück weit „wilder“ als viele Kinder heute.

Und das Beste daran: Es gab keine Beweisfotos und niemand hat unseren Blödsinn gepostet. :-)

Heute beobachte ich oft, dass Kinder und Jugendliche sich viel weniger zutrauen. Einfach auf einen Baum klettern? In einen Bach steigen? Im Wald etwas entdecken und aus ein paar Ästen irgendetwas bauen? Für uns war das selbstverständlich.

Vielleicht haben wir dabei ganz nebenbei etwas gelernt, das man in keinem Schulbuch findet: uns selbst zu beschäftigen, aus einfachen Dingen etwas zu gestalten, Lösungen zu finden, Frust auszuhalten und weiterzumachen.

Denn aus Langeweile entstehen manchmal die besten Ideen.

Wenn ich jungen Menschen etwas aus meiner Kindheit schenken könnte, dann wäre es genau diese Unbeschwertheit.

„Von nix kommt nix“

Ein Satz aus meiner Jugend begleitet mich bis heute:

Von nix kommt nix.

Und ich glaube nach wie vor, dass darin viel Wahrheit steckt.

Wenn man Biografien erfolgreicher Menschen liest – egal aus welcher Generation –, findet man fast immer dasselbe: Sie haben Zeit investiert. Sie haben geübt, Rückschläge ausgehalten, weitergemacht und oft ihre Freizeit für ein Ziel hintenangestellt.

Auch junge erfolgreiche Menschen bekommen ihren Erfolg nicht geschenkt.

Disziplin, Ausdauer und Pflichterfüllung sind deshalb für mich keine altmodischen Werte. Aber unsere Generation hat es damit manchmal übertrieben.

Wir haben gelernt durchzuhalten – manchmal viel zu lange

Berufswunscherfüllung war in meiner Jugend keineswegs selbstverständlich.

Viele aus meiner Generation haben einen Lehrberuf angenommen, weil es eben so vorgesehen oder möglich war – unabhängig davon, ob dieser Beruf wirklich zu ihnen passte.

Bei mir war es genauso.

Hätte ich damals die Möglichkeiten gehabt, die junge Menschen heute haben, hätte ich einen anderen Weg gewählt. Ich wäre studieren gegangen.

Diese Möglichkeit hatte ich damals nicht.

Meinen zweiten Bildungsweg habe ich erst mit 38 Jahren begonnen.

Unsere Generation hat gelernt: Was man anfängt, zieht man durch.

Das kann eine große Stärke sein.

Es kann aber auch gefährlich werden.

Ich selbst bin dafür ein gutes Beispiel. Ich neige bis heute dazu, an meine Grenzen zu gehen – und sehr oft darüber hinaus.

Einmal hielt ich beruflich so lange an etwas fest, dass beide Knie massiv angeschwollen waren. Ich konnte kaum noch gehen. Eine wirkliche körperliche Ursache für diese Beschwerden gab es nicht.

Erst als ich meine berufliche Richtung änderte, verschwanden die Beschwerden innerhalb einer Woche.

Das hat mir sehr deutlich gezeigt:

Durchhalten ist nicht immer Stärke. Loslassen ist nicht immer Aufgeben.

Manchmal ist es viel mutiger, sich einzugestehen, dass ein Weg nicht mehr der richtige ist.

„Und genau da können wir von der Generation Z lernen“

Was mir an der Generation Z gefällt, ist ihr Versuch, eine bessere Brücke zwischen Arbeit und Freizeit zu bauen.

Natürlich gibt es auch hier Extreme.

Nur Freizeit haben zu wollen und gleichzeitig viel Geld zu verdienen, wird auf Dauer wahrscheinlich schwierig. Das Leben holt uns irgendwann alle ein. Denn Freizeit kostet meistens Geld – und für Geld muss man auch heute noch etwas tun.

Aber die grundsätzliche Frage der jungen Generation finde ich richtig:

Muss Arbeit wirklich immer an erster Stelle stehen?

Unsere Generation hat diese Frage viel zu selten gestellt.

Wir haben funktioniert. Wir haben unsere Pflichten erfüllt. Wir haben durchgehalten.

Viele sogar dann noch, wenn ihnen ihre Arbeit längst keine Freude mehr gemacht oder sie sogar krank gemacht hat.

Ich glaube, dass wir von jungen Menschen lernen können, uns selbst wichtiger zu nehmen.

Das Leben zu genießen.

Zeit mit Freunden zu verbringen.

Und nicht ständig zu glauben, dass alles andere wichtiger ist als wir selbst.

Auch der Umgang miteinander hat sich verändert

In unseren Trainings mit Jugendlichen erlebe ich nicht nur Dinge, die mir Sorgen machen.

Im Gegenteil.

Beim Umgang miteinander sehe ich vieles, das sich positiv entwickelt hat.

Sprache hat sich verändert. Ob jemand anders aussieht, anders lebt oder anders ist als man selbst, spielt für viele junge Menschen viel weniger eine Rolle.

Ich erlebe häufig mehr Rücksichtnahme, mehr Wertschätzung und einen respektvolleren Umgang miteinander.

Und das gefällt mir sehr gut.

Vielleicht sollten wir Älteren auch das öfter sehen, bevor wir über „die Jugend von heute“ urteilen.

Was mir allerdings fehlt: Ziele

Etwas fällt mir in unserer Arbeit mit Jugendlichen immer wieder auf.

Auf die Frage „Was ist dein größter Erfolg?“ wissen erstaunlich viele keine Antwort.

Auch bei der Frage nach kurz- oder langfristigen Zielen wird es oft still.

Und dabei geht es gar nicht darum, mit 16 schon zu wissen, welchen Beruf man mit 40 ausüben möchte.

Ein Ziel kann klein sein.

Eine Prüfung schaffen. Etwas Neues lernen. Einen Kilometer weiter laufen. Sich etwas trauen, das man sich bisher nicht zugetraut hat. Eine Freundschaft pflegen. Für etwas sparen.

Vielleicht fehlt uns hier manchmal die Wertschätzung für die kleinen Erfolge.

Und interessanterweise glaube ich, dass das beide Generationen betrifft.

Wir schauen viel zu oft darauf, was noch fehlt, statt wahrzunehmen, was wir bereits geschafft haben.

Was könnten wir uns gegenseitig schenken?

Vielleicht sollten wir aufhören, den Jungen ständig zu erklären, was sie alles falsch machen und was ihnen angeblich fehlt.

Denn seien wir ehrlich: Genau das haben unsere Eltern und Großeltern über uns auch gesagt.

„Was soll nur aus dieser Jugend werden?“ :-)

Und irgendwie ist aus uns trotzdem etwas geworden.

Vielleicht wird es also Zeit, nicht ständig zu fragen, welche Generation es besser macht, sondern genauer hinzuschauen, was wir voneinander lernen können.

Wir können den Jungen etwas von unserem Pflichtbewusstsein, unserer Disziplin und unserem Durchhaltevermögen mitgeben.

Und wir können von ihnen lernen, uns selbst und das Leben nicht immer erst dann wichtig zu nehmen, wenn alle Pflichten erledigt sind.

Vielleicht braucht es von uns ein bisschen mehr „Von nix kommt nix“ – und von ihnen ein bisschen mehr „Das Leben findet auch heute statt“.

Und irgendwo dazwischen könnte genau der richtige Weg liegen.

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